Unterschiedliche Ansprüche zwischen Arzt und Patient
Montag, 06. September 2010Wie wichtig ist die tägliche Visite im Krankenhaus?
Jeder kennt die Situation wer im Krankenhaus liegt und auf die tägliche Visite wartet: Man hat Fragen und Sorgen, ist innerlich aufgeregt und unruhig, weil man den Arzt viele Dinge fragen möchte und etwas über die erhobenen Untersuchungsergebnisse erfahren will. Unter Visite versteht man fachlich die” Begutachtung eines Patienten”.
„Nur im Durchschnitt drei bis vier Minuten dauert bei einer Visite der Patientenkontakt“, weiß Professorin Julika Loss vom Institut für Medizinische Soziologie der Universität Regensburg. Dieser Umstand ist unbefriedigend und beide Seiten; für den Arzt und den Patienten. Dabei bietet die tägliche Visite fast die einzige Möglichkeit, den Patient als Person wahrzunehmen und auf seine Ängste und Fragen einzugehen. Nur während der Visite kann der Arzt den Patienten über seinen aktuellen Gesundheitszustand und den weiteren Verlauf der Behandlung informieren und aufklären.
„Eine Visite dient nicht nur dem üblichen Patientengespräch”, meint Julika Loss weiter. Sie dient auch der Organisation der gesamten klinischen Arbeit. Thomas Bliesener hat einmal die Visite in ihrer jetzigen Form als einen „verhinderten Dialog“ genannt.
Die Praxis im Krankenhausalltag zeigt unterschiedliche Ansprüche und es herrscht ein grundsätzlicher Konflikt: Ein Arzt hat Zeitdruck und muss schnell die Patientenzahlen „abarbeiten“. Der Patient will verständliche Informationen und individuell, einfühlsam betreut werden und möchte dafür Zeit gewidmet bekommen. Steigende Fallzahlen und die Verwaltungsarbeit der Krankenhausärzte erschweren diese Wünsche der Patienten.
Es bleibt fraglich, ob diese Ansprüche zwischen Arzt und Patient in den nächsten Jahren Annäherung erfahren werden und somit ein wichtiger Schritt in Richtung „Gesundung“ für den Patienten getan wird bzw. getan werden kann.