Ein Blick zurück
Die älteste Aufzeichnung über einen Myasthenie-Patienten stammt aus dem Jahr 1644. In dem Dokument, gefunden in englisch-amerikanischer Kolonialpost, wird die Gehschwäche des Indianerhäuptlings Opechankanough beschrieben.
Erste medizinische Krankenberichte lieferte im 19. Jahrhundert der Londoner Arzt Samuel Wilks. Die Namensfindung geht auf den deutschen Arzt Friedrich Jolly zurück. Er prägte die Bezeichnung „Myasthenia gravis pseudoparalytica”. Ein weiterer Meilenstein war die erste Thymektomie, durchgeführt 1911 von Prof. Sauerbruch.
Bereits 1960 wurde die These aufgestellt, dass es sich bei Myasthenia gravis um eine Autoimmunkrankheit handelt, die AchR-Antikörper konnten aber erst 1973 nachgewiesen werden.
Drei Jahre später berichtet „Der Spiegel“: „Das Geheimnis einer schleichenden Lähmungskrankheit, Myasthenia gravis, konnte jetzt entschlüsselt werden: Körpereigene Abwehrstoffe legen die Muskeln lahm. …
In jüngster Zeit ist es den Wissenschaftlern gelungen, das mysteriöse Krankheitsbild allmählich aufzuhellen: Die Muskelschwäche, so erläuterte jetzt der US-Forscher Jon Lindstrom vom Salk-Institut in La Jolla (Kalifornien), sei “Folge eines immunologischen Bürgerkriegs” im Organismus der betroffenen Patienten — Antikörper, dazu bestimmt, feindliche Eindringlinge wie Viren oder Bakterien auszumachen und zu vernichten, laufen, so Lindstrom, gleichsam Amok und legen dabei ganze Muskelpartien lahm. …
Um den Defekt zu lokalisieren, bemühten sie sich zunächst, den chemischen Partner des Azetylcholins, die Rezeptor-Substanz, zu isolieren. Das gelang vor einigen Jahren mit Hilfe exotischer Aale aus dem Amazonas und Kalifornischer Rochen, deren Muskeln besonders reich mit Nerven-Endleitungen gespickt sind und die bei Berührung elektrische Schläge austeilen. Als die Wissenschaftler am Salk-Institut das Rezeptor-Konzentrat probeweise Kaninchen injizierten, stellten sie fest, daß die Tiere alsbald Antikörper gegen die Substanz mobilisierten. Ein paar Wochen später erkrankten die Versuchstiere sämtlich an einer allgemeinen Muskelschwäche, die alle Anzeichen einer Myasthenia gravis aufwies, wie sie auch bei Menschen beobachtet wird.“ Zum Weiterlesen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41279611.html